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eigene Geschichten

 

Die erste Fahrt Teil 1

In der Osterwoche 1989 war es endlich soweit. Freitag um 11:00 Uhr sollten wir, Sabine und Jörg sowie Reni und ich, unser Charterschiff in Langelille am Tjeukermeer übernehmen. Man soll nicht glauben, was bei zwei Pärchen nicht alles an Gepäck zusammen kommt. Zugegeben, in der Osterzeit muss man schon mit allem rechnen, kurze Shorts und lange Unterhosen, T-Shirt und Rollkragenpullover. Sonnenbrille und Winterjacke, alles musste mit. Dazu natürlich Schlafsack, Verpflegung (für mindestens 1 Monat), in Holland gibt's ja auch nichts, Spiele, Musikkassetten. Ach ja Sabine wollte auch ihren Topf für die Feuerzangenbowle mitnehmen. Von weiteren Getränken (Alohol und schiere Gesundheit) mal ganz abgesehen. Und auch ein Minimum an Angelausrüstung gehört natürlich auch dazu.

Vor meinen geistigen Augen sah ich uns schon mit dem Schiff lostuckern. Wie die ersten türkischen Gastarbeiter beim allerersten Heimaturlaub. Dachgepäckträger aufs Boot geschnallt, an der Reling überall Taschen angebunden und die Wasserlinie bis 5 cm unterhalb der Schanz angestiegen. Tiefgang, 2,50 m. Oder doch vielleicht besser mit einen Tender im Schlepp? Mit nur einem Auto wäre der Transport sicher nicht zu schaffen gewesen, höchstens mit einem Möbelwagen. Gut, das damals zumindest ich einen Kombi fuhr und irgendwie hatten wir dann auch alles verstaut.

Die Fahrt ging los und überpünktlich erreichten wir den Hafen. Da lag sie nun, unsere Edwin, ganz in Weiß, 8,60m lang und 2,95 breit. Wer soll diesen Koloss nur steuern, keiner hatte ein Kapitänspatent und Jörgs Kenntnisse vom Schnellboot bei der Marine waren auch beschränkt auf Wartungsarbeiten im Maschinenraum. Den Steuerstand hat er während der Fahrt nie gesehen. Aber der Eigner wollte uns ja noch gründlich einweisen.

Das Umladen des Gepäcks von den Autos an Bord ging besser wie erwartet. Kaum zu glauben, was in so einem Kahn alles reingeht. Und dann kam auch schon Chefe. In feinstem Niederländisch mit ein bisschen deutschem Akzent erklärte er uns, wo Ölstab, Wasserfilter und Schmiervorrichtung für Stevenrohr und Welle zu finden waren. Schnell noch die Schalter für Heizung, Licht, Hupe und Scheibenwischer erklärt. Dann wurde auch schon der Diesel gestartet. Auf unseren Gesichtern immer noch Fragezeichen.

Diese nahm Menheer aber gar nicht mehr wahr, denn er war schon damit beschäftigt, die Leinen am Steg zu lösen. Ein kurzer Stoß und das Boot schwamm frei im Wasser. Und unser Ausbilder stand auf dem Steg winkte und rief: "Lekker vakantie en tot volgende week." Ja Klasse und was nun.

Beim Gas geben merkten wir dann aber schnell, dass sich das Boot fortbewegte und am Steuerrad ließ es sich sogar lenken. Nicht so, wie beim Auto, sondern viel schwammiger mit unheimlicher Verzögerung. Zum Glück war der Hafen zur Wasserseite hin ohne Hindernisse und offen. Außerdem lag er auch am Eingang zu einem kleinen See. Das kam uns allerdings sehr zu gute und so konnten wir hier erst einmal ziemlich ungestört ein wenig Üben und ein wenig Gefühl für das störrische Schiff entwickeln.

 
 
 
 
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