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eigene Geschichten

 

Die erste Fahrt Teil 3

Wie es immer so ist im Leben, wenn alles glatt geht, sticht einem irgendwann der Hafer. Wir waren den 4. Tag an Bord und alles passte, selbst schwierige Anlegemanöver, z.B. bei ablandigem Wind klappten im Team einfach perfekt. Die Wasserkarte war für uns auch keine Herausforderung mehr. Die Almanach, Buch mit allen Informationen und Regeln, die man zum Fahren auf den niederländischen Gewässern benötigt, wegen seiner Sprachausführung in Niederländisch, dafür schon eher.

Jedenfalls folgten wir einem Kanal, der schnurgerade mitten durch das friesländische Weideland führte. Plötzlich passierten wir einen kleineren Graben, der in unser Fahrwasser mündete. Schnell war die Wasserkarte zur Hand und uns wurde klar, hier können wir auch herfahren. Aus dem niederländischen Kauderwelsch der Almanach konnten wir herauslesen, dass die Wassertiefe sich in diesem Nebenfahrwasser bei 1,20 m belief. Unser Boot hatte 0,95 m Tiefgang, das klappt.

Der Graben war knapp 10 m breit und stellte endlich wieder eine Herausforderung an unsere Fahrkünste. Wir mögen vielleicht 2 km gefahren sein, jedenfalls nach einer Kurve erblickten wir quer im Wasser liegend, ein Hindernis, das unsere Weiterfahrt abrupt stoppte. Es war wohl so ein Fährponton, mit dem der Bauer sein Vieh von einem Ufer zum anderen verfrachtete. Leider leckgeschlagen und leider halb versunken auf dem Grund liegend. Hier ging es nicht mehr weiter.

Wat nu? Einfach drehen und zurück ging nicht so einfach, denn, siehe oben, Graben keine 10 m breit, Schiff aber 8,60 lang. Und denn ganzen Weg rückwärts zurück? So perfekt waren wir auch noch nicht. Wir mussten Drehen, so oder so. Wer mit dem Auto schon Schwierigkeiten hatte, auf der Straße zu wenden, sollte es mal mit einem Schiff versuchen. Wir hatten es trotzdem fast geschafft. Beim wiederholten Zurücksetzen dann plötzlich ein kräftiger Schlag. Irgendwo unter Wasser mussten wir irgendwo angeeckt sein. Sehen konnten wir nichts, also weiter.

Schließlich hatten wir das Boot um 180 ° gedreht und wir konnten zurückfahren. Bei einem Blick auf das Echolot bemerkte ich, "es funktionierte nicht mehr".
Sollten wir den Sender beim Aufsetzen beschädigt haben oder war da nur Dreck dran. Wir machten uns keine größeren Sorgen darum, denn wozu gibt's die Vollkaskoversicherung.

Ich weiß nicht ob instinktive Eingebung oder einfach nur Zufall. Ich wollte bei unserer Weiterfahrt einfach mal beim Motor nach dem Rechten schauen. Ich hob die Bodenabdeckung zum Motorraum hoch und traute meinen Augen nicht. Der Motorraum stand zu einem viertel unter Wasser. Also, schnell die Bilgenpumpe eingeschaltet.

Nach 10 Min. hatten wir alles Wasser raus. Sicher, unseren täglichen Checkup der Technik hatten wir in den letzten 2 Tagen ein wenig vernachlässigt, aber soviel Wasser, schon komisch. Jedenfalls ging's erstmal weiter.

Nach weiteren 20 Min. wollte ich mich dann doch noch einmal davon überzeugen, ob alles o.k. ist. Also Motorabdeckung hoch und....
Sch..., wieder Wasser im Motorraum, was nun. Erst mal abpumpen, ist klar, aber dann?

Nachts hätte ich kein Auge zumachen können, aus Angst, ab zu saufen. Wir entschlossen uns, in dem nächsten geeigneten See unser Schiff erstmal auf Grund zu setzen und nachzuschauen wo das ganze Wasser herkommt. In Friesland sind eigentlich alle Seen recht flach und so fanden wir auch bald eine geeignete Stelle. Nun ging's an die Suche des Lecks. Konnte eigentlich nur in dem Bereich sein wo wir bei unserem Wendemanöver angeschlagen sind, also hinten im Bereich der Achterkajüte.

Um irgend etwas sehen zu können mussten erst mal die Betten abgebaut werden und tatsächlich wir fanden einen wunderschönen Springbrunnen genau an der Stelle, an dem der Echolotschwinger angebracht war. Er baumelte nur noch an seinem Kabel und war ganz offensichtlich abgebrochen. Durch die nunmehr offene Rumpfdurchführung, einer 16 mm großen Bohrung sprudelte munter das was eigentlich nach draußen gehörte, Wasser.

Erstmal eine Hand auf das Leck, aber so konnten wir ja unmöglich die restlichen Urlaubstage verbringen, selbst wenn die Mädels sich ablösen würden. Irgendwo hatte ich mal gelesen, das in der christlichen Seefahrt solche Pannen mit einem Holzpflock aus der Welt geschafft wurde. Also Jörg, Hose hochkrempeln, Messer zwischen die Zähen, vorn von Bord geklettert und nach waten durch das seichte Wasser erst einmal einen Pflock aus den Büschen geschnitten. Dann zurück an Bord und mit dem bisschen an Notfallwerkzeug erstmal das Kabel abgeknipst, den Rest vom Schwinger rausgedrückt und dann den Holzkeil in den Rumpf gerammt. Alles war dicht.

Die Nacht blieben wir trotzdem auf Grund aufliegend am Ufer des Sees, um am nächsten Morgen als erstes mal eine Werft anzusteuern. Der Monteur sah sich unsere Notreparatur kurz an, streckte den Daumen hoch und sagte : "Perfekt, hält 100 Jahre."

So vergingen dann auch unsere restlichen Urlaubstage harmonisch und ohne Probleme und wir erreichten nach 7 Tagen an Bord der Silvermeeuv wieder den Heimathafen in Langelille. Dem Eigner haben wir natürlich von unserem Missgeschick berichtet. Er war jedenfalls heilfroh, dass die Sache so glimpflich abgelaufen ist. Für den entstandenen Schaden wollte er selbst aufkommen, den bei einem Versicherungsschaden wären letztendlich 200 Gulden Selbstbeteiligung auf uns zugekommen.

Ob die Silvermeeuv auch heute noch mit unserem Holzpflock die friesischen Gewässer durchkreuzt, vermag ich allerdings nicht zu sagen.

 
 
 
 
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