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eigene Geschichten

 

MS Reni, unser erstes Schiff oder meist kommt es anders

Das meine Liebe zum Wassersport eigentlich schon nicht mehr zu bremsen war, wird jeder, der die Seiten davor gelesen hat, nachvollziehen können. Trotzdem dauerte es noch einige Jahre, bis meine Frau und ich begannen, diesen Traum umzusetzen. Jede Menge Zufälle spielten dabei auch noch eine Rolle.

Mit unserem kleinen Wohnwagen haben wir eigentlich immer schon interessante Touren unternommen. Drei Urlaube nach Skandinavien, jeweils ein übers andere Jahr wechselten mit Ungarn und Schottland ab.

Schottland, im August 1991, brachte aber wieder Bewegung in unserem Traum. Wir haben vier schöne Wochen verbracht, auf der britischen Insel. Herrliche Landschaft, schöne Städte, nette Menschen, Highland- Games und Drum and Pipes alles klasse, wenn nur der Dauerregen nicht gewesen wäre.

Verregneter Urlaub ist eine Sache, Dauerregen über 3 Wochen ohne Aussicht auf Besserung die andere. Es ist uns nicht leicht gefallen, aber wir wollten zurück. Aus den Highlands führte und der Weg zurück über Edinbourgh, Cambridge zurück zur Fähre nach Harwich. Aber was soll ich sagen, je näher wir zu unserer Fähre kamen um so schöner wurde das Wetter.

Wir sind ja flexibel. Am Ufer des kleinen Flüsschens Cam fanden wir einen richtig schönen Campingplatz und entschlossen uns dazu, noch einige Zeit zu bleiben. Ganz in der Nähe gab es auch einen Jachthafen und hier entdeckten wir ein Kajütboot, aus GFK knapp 9 m lang, welches zum Verkauf anstand. Der Preis lag auch irgendwo in einem machbaren Rahmen. Ich hatte wieder Feuer gefangen. Es blieb nur die Frage: "Wie bekommen wir das Dingen nach Deutschland!" Es half aber alles nichts, unser Urlaub ging unabdingbar zu Ende. Eine Lösung für das Problem - nicht in Sicht.

Später in Deutschland, habe ich das Schiff auch nicht mehr aus dem Kopf bekommen. Einen befreundeten Rechtsanwalt habe ich um Hilfe gefragt. Kaufformalitäten, Zollbestimmungen und Transport, alles nicht so einfach. Mein Bekannter schüttelte nur den Kopf. "Mensch Harry, warum denn so kompliziert. Schau dich mal in den Niederlanden um, da gibt's Schiffe genug. Und außerdem, ein Freund von mir, hat sein Schiff in Holland bei einem Makler zum Verkauf anstehen. Teurer wird das auch nicht."

Am nächsten Samstag saßen wir im Auto auf den Weg nach Meppel. Es wartete ein Verkoophaven auf uns mit über 100 Schiffen, die ihren Besitzer wechseln wollten. Unser Schiff fanden wir dann auch schnell. Ehrlich gesagt, ein antikes Schiff kann ja auch was haben, aber dieser alte Eimer, nee danke.

Zufällig schwenkte unser Blick schräg gegenüber vom Steg. Dort lag er, unser Traum. Schneeweiß von außen, innen feinster Teakausbau. Ich glaube, meine Frau war noch mehr hin und weg als ich. Mein beschwichtigenden Worte, wie nee bestimmt zu teuer und so, hat sie wohl nicht mehr wahrgenommen.

Der Makler wird uns wohl beobachtet haben und hat auch unseren Glanz auf den Augen gesehen. Wie zufällig kam er dahergeschlendert. "Moie schip, en niet duur!"

Seine genauere Spezifikation von "Nicht teuer" sagte uns hinterher aber etwas anderes aus. Aber bekanntlich kostet ja Handeln erstmal nichts, wenn man nur den Verstand nicht verliert. Und so saßen wir gemütlich, bei einem Kopje Koffie, in seinem Büro, mitten in Verkaufsverhandlungen.

Um den Wertverlustes eines Schiffes mal zu umschreiben, mir ist es gelungen, den Kaufpreis um nahezu ein Drittel zu drücken. Aber eben nur um fast ein Drittel und einem Holländer nachzugeben, nein Danke.

Mit einem beinahe eigenem Schiff, aber letztendlich ohne Vertrag fuhren wir wieder nach Hause. Ich mit dem Gefühl alles versaut zu haben, meine Frau mit der Ansicht, dass ich stur wie ein Ziegenbock sei. Das schöne Schiff, wir hätte heulen können. Eine Hoffnung hatten wir noch. Der Makler wollte noch mal mit dem Eigner des Bootes wegen des Preises reden.

Nach 4 Tagen der Anruf aus Holland: "Der Käufer kann nicht weiter mit dem Preis runtergehen."

Ich weiß auch nicht, was mich geritten hat, aber ich blieb Stur, obwohl wir uns für den Kauf schon längst entschieden hatten. Von meiner Frau erntete ich einen Hieb in die Seite und einen ganz bösen Blick. "Naja, vielleicht können wir uns ja anders einigen", brachte sich mein Gegenüber wieder ins Gespräch. "Ich könnte euch für ein Jahr einen kostenlosen Liegeplatz für ein Jahr in unserem Hafen anbieten, zuzüglich einen vollen Treibstofftank und eine komplette Inspektion, mein letztes Gebot."

Ich überlegte kurz, wir hatten Mitte September, es war Donnerstag und ich hatte noch 2 Wochen Resturlaub. "O.K., wenn das Angebot für den Liegeplatz über's kommende Jahr hinaus bis zum Beginn der folgenden Saison gilt, sind wir Samstag da, bringen das Geld mit und unterschreiben den Kaufvertrag.
" Ich konnte es kaum fassen, der Deal war perfekt!"

Zwei Tage später waren wir stolze Besitzer der MS Reni und starteten mit ihr in unseren ersten Urlaub.


Das Schiff unserer Träume


Der Führerstand


Einfach schnuckelig und sehr gepflegt
 
 
 
 
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