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eigene Geschichten

 

Unser erster Urlaub mit der MS Reni

So, da lag sie nun, die MS Reni. Die Tinte auf dem Kaufvertrag war noch nicht trocken, aber wir wollten unseren ersten Urlaub auf dem eigenen Schiff verbringen. Zwei Wochen, einfach unglaublich.

Die erste Überraschung kam vom Makler: "Wie, ihr wollt mit dem Schiff schon in Urlaub. Das geht aber nicht, das Geld ist doch noch nicht auf unser Konto." Mein in vielen Fußballturnieren herangewachsener Hass auf die Holländer nahm neue Dimensionen an. Gut dass Freitag war, ein Rückruf bei meiner Bank in seinem Beisein machte mich glaubwürdig. Wir konnten unser Schiff übernehmen. Die versprochene Inspektion am Boot war gemacht, der Tank war bis an den Kragen voll und unsere Sachen schnell verstaut.

Punkt 12 Uhr hieß es  - Leinen los -  zu unser ersten großen Fahrt mit eigenem Schiff. So ganz unerfahren waren wir ja nicht mehr. Wir hatten in den zurückliegenden Jahren immer mal ein Charterschiff gehabt und schon einiges an Erfahrungen und Fahrpraxis gesammelt.

Unser Ziel war ausgesteckt mit Sneek. Dort hatten wir Verwandte, die eigentlich bis in den späten Herbst hinein auf einem Campingplatz, direkt am Sneeker Meer ein Mobilheim bewohnten. Vorher wollten wir allerdings noch nach Blokzijl, eines der touristisch ausgesprochen schönen Städtchen der Provinz Noord-West Overijssel, um Freunde zu besuchen.

Zuerst einmal ging's das Meppler Diep herunter bis zur Beukersluis. Dort angekommen hatten wir noch 15 Minuten Wartzeit bis zum Ende der Mittagspause. Wir dümpelten im Fahrwasser vor der Brücke und warteten auf "Grünes Licht".

Nach etwa 20 Min. ging dann das Schleusentor auf und die Ampel sprang auf Grün. Ich wollte etwas Fahrt aufnehmen, doch was war nun? Der Motor fing an zu stottern, bekriegte sich kurz und ging dann vollendens aus. Ein erneutes Anlassen war erfolglos. Mit dem letzten Schwung konnte ich gerade noch das Ufer erreichen um da erstmal festzumachen.

Das fängt ja gut an, also Motorraum auf und nachschauen. Die Ursache war schnell gefunden. Die Bilge war voll mit dem, was eigentlich in den Tank gehörte, nämlich mit Diesel. Und beim genaueren hinschauen war auch auszumachen, woran es lag. Bei der Inspektion haben die Mechaniker auch den Kraftstofffilter gewechselt und dabei wohl vergessen, den Deckel wieder ordentlich festzuschrauben. In der gut einen Betriebsstunde sind dann über diese Leckage ca. 100 l Diesel ausgelaufen.

Mit Schöpfeimer, Handpumpe, Trichter und Mutters Strumpfhose als Filter war der Treibstoff nach einiger Zeit wieder dort an seinem vorgesehenen Platz, dem Tank. Den Filter nachgezogen, Einspritzpumpe entlüften, Starten und das Problem war aus der Welt.

Mein Telefonat anschließend beim Makler hatte dann schon ein anderes Kaliber. Sein Versprechen, nach der Rückkehr den Tank noch einmal zu befüllen, konnte mein Mütchen nur geringfügig kühlen.


Mit der MS Reni auf in den ersten Urlaub


Blokzijl, früher einmal Hafenstadt an der Zuiderzee


Einfahrt in die Driewegesluis bei Ossenzijl

Der Rest der Reise war zwar nicht mehr so aufregend, aber trotzdem herrlich. Vom Dieselgeruch hatten wir allerdings noch mindestens eine Woche etwas. Unsere selbst gesteckten Ziele haben wir auch alle erreicht. Über Blokzijl, Ossenzijl, Echtenerbrug, Joure ging es zum Sneeker Meer, genau gesagt nach Terhorne und über Herenveen, Steenwijk, Giethoorn zurück nach Meppel.

 

Was ich bei unserer ersten Fahrt aber gelernt habe, ist die Erkenntnis,      

                                           dass jede Panne, jedes Abweichen vom geplanten Kurs,

                  die Routine wachsen lässt, im Umgang mit kleinen und großen Katastrophen.

 
 
 
 
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