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Fahrten und Events

 

Auf großer Fahrt 2009 Teil 5 (eine lange Rückfahrt)

Gut 5 Wochen sind wir nun unterwegs, es ist der 18.08.09.

Wir haben soeben den Wannsee verlassen und sind Steuerbord in die Havel abgebogen. Das Wasser auch hier, wie im Wannsee grün von Algen. Irgendwie ist die Luft bei uns raus. Dafür ist nicht nur das unappetitlichen Wasser schuld, sondern es wird uns immer bewusster, das es spätestens jetzt Richtung Heimat geht. Zwei Wochen für ca. 700 km. Viel herumtrödeln konnten wir da nicht mehr.

Trotzdem, am Lehnitzsee, bzw. Krampnitzsee, ca. 10 km nördl. von Potsdam, ist dann für uns erst mal wieder Schluss. Im Gegensatz zur Havel hier in beiden Seen glasklares Wasser. Nach einem erfrischendem Bad im See wollten wir abends noch einmal ausgiebig Essen gehen. Die kleine Ortschaft am Nordufer gibt jedoch keine Lokalitäten her. Mit dem Fahrrad haben wir dann trotzdem noch am anderen Ende des Sees eine nette Gartenwirtschaft mit einer sehr guten Küche gefunden.

Die letzte Etappe von Berlin zurück nach Maurik ca. 700 km

Zum Vergrößern das Bild anklicken

Am nächsten Morgen gehts dann frühzeitig los. Die Havel ist im Grunde eine Aneinanderreihung vieler kleiner Seen aber als Schifffahrtskanal ausgebaut. Trotzdem wirkt sie aber sehr naturbelassen. Die Fahrt daher sehr kurzweilig. Wir kreuzen den Schlänitzsee bei der Ortschaft Marquardt, hinter Ketzin gelangen wir in den Trebelsee, wo dann der landschaftlich schönste Teil unserer Tagesstrecke beginnt. Durch hunderter von Kurven und altarmen schlängelt sich die Havel bis nach Brandenburg.

Hinter der Schleuse Brandenburg gibt es zwei Möglichkeiten. Die Route durch die Stadt nach Backbord oder gerade aus durch den ausgebauten Silokanal um die Stadt herum. Aus Zeitgründen wählen wir die Umgehung, durch den Kanal.

Der Silokanal endet schließlich nach einigen Kilometer in den Quenzsee, weiter gehts durch den Plauer See und Wendsee. Mit der nächsten Schleuse beginnt dann auch schon der Elbe-Havel-Kanal, der uns in westliche Richtung an Magdeburg vorbei zum Mittellandkanal führt. Wir merken recht schnell, von hier an ist unserer eigentlicher Urlaub zu Ende. Es erwarten uns jetzt erst mal über 500 km Kanalfahrt bis zum Rhein, mit einem Minimum an Abwechslung.

Im Städtchen Burg bei Magdeburg haben wir dann an einer Hafenkade einen Platz für die Nacht gefunden. Mit 90 km haben wir dann auch ein ordentliches Stück Reisestrecke abgearbeitet.

Auch am nächsten Morgen sind wir früh wach und nach gutem Frühstück schnell startklar. Auf die Schleuse Hohenwarthe und vor allem die Kanalbrücke über die Elbe waren wir echt gespannt. Aus unseren Unterlagen war ersichtlich, Schleusung und die Brückenpassage ist nur im Verband mit der Berufsschifffahrt möglich.

Gegen 10.00 Uhr hatten wir die Schleuse im Unterwasser erreicht. Schon von weitem konnte man das imposante Bauwerk sehen.

Die gesamte Anlage, also Schleuse und anschließender Trogbrücke ist nach nur 4 Jahren Bauzeit im Okt. 2003 eröffnet worden und gehört zum Gesamtobjekt Wasserstraßenkreuzung Magdeburg, die die Wasserstraßen Mittellandkanal, Elbe-Havel-Kanal und Elbe verbinden.

Mit dazu gehören auch noch die neue Schleuse Rothensee, das alte Hebewerk Rothensee und die Schleuse Niegripp.

Architektonische Besonderheiten der Doppelschleuse:

Sparschleuse, beidseitig mit je 3 Reihen Wasserauffangbecken.

Schleusenkammer Nutzlänge: 190 m
Schleusenkammerbreite: 2 x 12,50 m
Hubhöhe: 18,55 m bis 19,05 m
Höhe Obertor: 5,30 m
Höhe Untertor: 10,50 m

Das gesamte Objekt steht auf 1248 Großbohrpfählen aus Stahlbeton mit einem Durchmesser von 88 cm, die bis zu 21 m lang sind.

Außer uns wartete noch ein kleines Sportboot vor der Schleuse. Nach Anruf beim Schleusenmeister wurde mir mitgeteilt, dass ein Fahrgastschiff in Kürze eintreffen wird und wir dahinter in die Schleuse einfahren können. Festmachen am besten längsseits des Fahrgastschiffes. Die Passage der Magdeburg Brücke dann bitte mit dem Kapitän absprechen.


Aber so ging es problemlos. Die Kommunikation mit dem Kapitän des Fahrgastschiffes ebenso. Die Sportboote sollten zuerst ausfahren und er würde uns über die Brücke folgen.

30 Min. später waren wir dann drin in der Schleusenkammer. Bei den gigantisch hohen Kammerwänden, dem riesigen Drempel am Schleusentor vor uns erschienen die Schiffe winzig. Die Schleusung selbst, immerhin 19 m, ich sag mal eine Raketenschleusung.

Im nachhinein muss ich dem Schleusenmeister Recht geben. Festmachen direkt an der Kammerwand für Sportboote, auf Grund der zu weiten Abstände der Festmachepoller und den starken Wasserstrudel, eher schwierig.

 

Im Oberwasser beginnt der Mittellandkanal und man fährt direkt auf die große Kanalbrücke Magdeburg zu.


Kanalbrücke Magdeburg

Kanalbrücke Magdeburg
Überführt Mittellandkanal
Unterführt Elbe, km 339,11
Ort Hohenwarthe, Glindenberg
Konstruktion Stahltrogbrücke
Gesamtlänge 918 m
Breite 43,0 m
Längste Stützweite 106,20 m
Konstruktionshöhe 8,15 m
Baubeginn 1998
Fertigstellung 2003

Okay, auch die Brückenpassage war irgendwie aufregend, weil in dieser Größenordnung noch nie erlebt. Dazu kommt ein herrlicher Panoramablick auf das Elbtal und die Elbe.

 

Die nun folgenden 325 km Mittellandkanal waren dann doch eher langweilig und daher nur im Zeitraffer, bzw. per Übersicht wieder gegeben.

Treibstofftanken in Haldersleben, die über einen kleinen aber Schmucken Yachthafen verfügen und in Hannover.

Der Sportboothafen Haldensleben stellt dazu eigens Kanister und Handwagen zur Verfügung um den Sprit von der nahegelegenen Tankstelle an der Straße heran zu karren.

In Hannover per Fahrrad und Kanister, ebenfalls an der Straße.

Trotz der beiden Schleusen in Sülfeld und Anderten und trotz des halben Tag Zeit, den wir uns für Minden genommen haben, hatten wir den Mittellandkanal in dreieinhalb Tage durchfahren.

  

Die Brücke über die Weser bei Minden

 

Morgens früh raus, Frühstück während der Fahrt und viel Unterstützung meiner Frau beim Fahren machten es erst möglich.

 

Am nassen Dreieck bei Bevergern.

Hier trifft der Mittellandkanal in den Dortmund Ems Kanal.
.... und es war richtig Betrieb auf dem Wasser.

Das Wetter war nach wie vor Klasse und nach einer Stunde Fahrzeit auf dem DEK haben wir bei der Ortschaft Dörenthe an der Steuerbord Seite einen Anlegeplatz gefunden.

Es war 16.00 Uhr, die Sonne brannte vom Himmel und das Wasser im Kanal zeigte sich glasklar. In Anbetracht des herrlichen Sommerwetters wollten wir etwas ausspannen, Angeln, naja und die Sonne genießen. Fürs Angeln eher nicht optimal, fürs Schwimmen gehen aber um so mehr. Letzteres und die Tatsache, dass unsere Zeitplanung voll im grünen Bereich lag, hat uns denn bewogen, den nächsten Tag hier zu bleiben.

Gut erholt folgten wir nun den weiteren Verlauf des Dortmund Ems Kanal. Das Fahren mit dem Schiff ist hier wesendlich kurzweiliger, da der Kanal, zumindest bis Hiltrup recht eng gebaut ist. Münster, ebenfalls an Steuerbord gelegen ein muss für den Freizeitkapitän. Wir waren auch schon wieder 5 Stunden unterwegs, der Treibstofftank konnte wieder etwas Diesel gebrauchen und unsere Essensvorräte waren auch ziemlich dezimiert. Eine Übernachtung an der Hafenkade der Universitätsstadt, für uns eine logische Konsequenz.

Nach einem Skipperfrühstück plus frischen Brötchen wollten wir am folgenden Tag wieder ordentlich Kilometer machen.

Stadthafen Münster, auch Kreativkai genannt

Bis Hiltrup ist der DEK bereits gut ausgebaut, trotzdem kurzweilig zu fahren

 

Die beschauliche Fahrt am nächsten Tag, eingereiht hinter zwei Frachtschiff hatte hinter Hiltrup dann schnell wieder ein Ende.

Großbaustelle am DEK bis fast nach Senden. Absolutes Begegnungsverbote in mehreren Abschnitten, dazu sehr langsame Fahrt im Konvoi mit der Berufsschiffahrt, da muss man schon höllisch aufpassen. Einerseits waren wir gehalten dicht aufzuschließen, anderseits waren die häufigen Stopps im Schraubenwasser der Partikuliere bei teilweise sehr engem Fahrwasser sehr unangenehm.

 

Wir waren jedenfalls heilfroh, als wir bei Senden die Baustelle verlassen konnten. Durch den Zeitverlust war allerdings abzusehen, dass es mit dem Erreichen unseres Tagesziel Datteln eng wurde. Mir ist von früheren Angeltouren aber die Kanalausbuchtung mit kleinem Anleger in Senden  am so genannten "Blinddamm" bekannt.  Der war frei und für uns damit "Schicht am Schacht".

 

Die knapp 50 km bis nach Datteln verliefen am nächsten Tag ohne Probleme. Auf der ganzen Strecke von Münster bis Datteln gibt es keine Schleusen, sondern lediglich Sicherheitstore.

Großbaustelle am DEK zwischen Hiltrup und Senden

Da das Hinterland im Bereich Olfen teilweise um einige Meter tiefer wie der Wasserspiegel liegt, sind diese dringend erforderlich. Bei einem Dammbruch können die Tore herab gelassen werden und verhindern ein Leerlaufen von mehr als 60 km Kanalstrecke.

An der Kanalüberführung über die Lippe und der Straßenüberführung ging dann auch gleich das Kopfkino an. Was passieren, wenn plötzlich ein Damm bricht? Schließlich waren uns die Bilder des leergelaufenen Kanal beim Deichbruch vor gerade mal 4 Jahren noch gut in Erinnerung.

Für die restliche knapp eine Woche unserer Reise lasse ich mal mehrheitlich Bilder sprechen.

Ab Senden ist der DEK bereits fertig ausgebaut

 

Eines der Sperrtore.
Nach dem großen Dammbruch bei Olfen im Jahr 2005 waren sie dringend nötig gewesen.

 

Der DEK überquert hier die ca. 8 m tiefer liegende Lippe.

Am 11.10.2005 ist es an dieser Überführung (DEK Km 23,24) zu einem Dammbruch gekommen. Dadurch ist der Kanal auf einer Länge von 7,68 km zwischen den Sperrtoren Schlieker (DEK Km 29,39) und Datteln (DEK Km 21,71 leergelaufen. 1,3 - 1,5 Millionen Kubikmeter Wasser ergossen sich zum Glück in die in unmittelbarer Nähe liegende Lippe.

So sieht der Kanal aus, wenn er leergelaufen ist

Wir kamen aber unbeschadet am Kreuzungspunkt Datteln an und da alles so fix ging ließen wir das Schiffshebewerk Henrichenburg Linls liegen, um gleich weiter durch den Wesel Datteln Kanal nach Dorsten zu fahren.
Die großen Hubtor-Schleusen Ahsen, Flaesheim und Dorsten konnten wir ohne längere Wartezeiten passieren,

Warten auf die nächste Talfahrt im Oberwasser der Schleuse Ahsen bei Datteln am Wesel Datteln Kanal

 

WDK - Chemiepark Marl Hüls

 

WDK - Marl Brassert

 

WDK - In der großen Hubtorschleuse Dorsten

 

WDK - Zwei Tage Gastlieger im Hafen des Dorstener MYC

 

WDK - Abends Barbeque, morgens frische Brötchen vom Hafenmeister gebracht.
Angenehmer geht es kaum noch.

 

WDK - Campingplatz Idylle in Gahlen/Schermbeck

Nach einer sehr angenehmen Übernachtung im Hafen des Dorstener MYC ging es gegen Mittag weiter.

Die Schleuse Friederichsfeld bei Voerde war dann auch schon die letzte Schleuse. Von hier gehts in den Rhein und mit viel Schub von hinten ist bei ca. 17 km/h die Schleuse Tiel am Amsterdam Rhein Kanal locker an einem Tag zu schaffen. Durch die lange Trockenheit war allerdings auch besondere Vorsicht geboten. Auch wir mussten auf Grund der geringen Wassertiefe, genau wie die Berufsschifffahrt, die Außenseiten der Kurven nehmen.

Rhein - Niederrheinbrücke Wesel

 

Rhein - Immer die Augen auf. Die Berufsschifffahrt fährt mit bis zu 22 km/h zu Tal

 

Rhein - Die Erzfrachter quälen sich trotz der Maschinenleistung von 6000 PS den Rhein herauf

 

Rhein - Rees

 

Rhein - Emmerich

 

Rhein - Tollkamer Lobith

 

Waal - Nijmegen in Sicht

Von der Schleuse Tiel sind es noch ca. 15 km bis zu Heimathaven Maurik. Aber wie nach jeden Urlaub geht es für die letzte Übernachtung in den toten Lekarm bei Wijk bij Duurstede

.... und immer noch ist herrliches Wetter mit einem tollen Sonnenuntergang zum Abschluss.

 

Einlaufen in unserem Heimathaven WSV Maurik

 

Das Schiff ist Fest gemacht und vertäut. Alles ist gut und ohne Probleme abgelaufen, aber ganz erstaunlich, nach 5 Wochen Sonnenschein, ist zum letzten Urlaubstag das Wetter umgeschlagen. Meine Frau meinte dazu:

                    Harry, da haben wir mal wieder alles richtig gemacht.

 

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