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Fahrten und Events
 

Schiedam, immer wieder eine Reise wert

September 2010

Schiedam übt schon seit vielen Jahren eine besondere Faszination auf uns aus. Bereits vor mehr als 20 Jahren, damals noch mit dem Charterboot, haben wir das besondere Flair dieses Städtchens kennen gelernt und so schauen wir in regelmäßigen Abständen hier vorbei.

Vorweg etwas zur Stadtgeschichte:
Die ca. 75.000 Einwohner zählende Stadt grenzt an der westlichen Stadtgrenze von Rotterdam. Der Name stammt von dem Flüsschen Schie, der die Stadt durchschneidet und in der Nieuwe Maas endet. Bereits im Jahre 1275 erhielt Schiedam die Stadtrechte, die ersten Ansiedlungen zu einem kleinen Fischerdorf entstanden ca. 25 Jahre früher. Die rasche Entwicklung mit Rotterdam konnte Schiedam zur damaligen Zeit nicht mithalten, da die Einmündung der Schie in die Nieuwe Maas und somit der Hafen immer wieder versandete.

Dafür machte sich die Stadt ab 1590 durch die viele Schnapsbrennereien einen Namen. Nicht weniger als 23 Destillerien produzierten den niederländischen Gin, bekannt auch als Jenever und brachte Stadt und Anwohner zu Reichtum und Wohlstand. Etwa 300 Jahre bestimmt die Windmühlen der Jeneverdestillerien das Stadtbild. Auch die Herstellung von Fässern und Flaschen wurden Zug um Zug nach Schiedam verlagert. Rückläufiger Alkoholkonsum und das Wegbrechen des gesamten Wirtschaftszweiges stürzten die Stadt vom Ende des 18. Jahrhunderts bis Mitte des 19. Jahrhunderts in bittere Armut. Erst nach dem 2. Weltkrieg verschwand dieses soziale Elend durch die massive Ausweitung des Welthafens Rotterdam und dem Arbeitskräftebedarf.


Das Stadtwappen von Schiedam

Molen de Nolet


Von den vielen Jeneverbrennereien sind übrigens noch 3 übrig geblieben, die bekanntesten sind die Destillerien "Nolet" und "De Kuyper". Weithin sichtbare Zeitzeugen sind allerdings die sieben extrem hohen Windmühlen. Diese Hochbauten waren erforderlich um in der Stadt, mit entsprechender industrieller Bebauung den Mühlen den erforderlichen Wind zu geben.

Früher wurden hier die Rohstoffe für die Destillerien geschrotet. Heute werden sechs davon von einer Stiftung als Museum funktionstüchtig erhalten und sind für Besucher in Betrieb. Die Siebte "Molen de Nolet" wurde nach alten Plänen neu aufgebaute und 2006 in Betrieb genommem. Mit stattlichen 55 m ist sie die höchste Windmühle der Welt mit klassische Bauform.

Um die Kosten zu amortisieren, wird diese Windmühle zur Energiegewinnung für die Nolet Destillerie genutzt.

Über die Geschichte des Schiedamse Jenevers kann man im

"Nationaal Jenevermuseum Schiedam"

am Lange Haven, nahe der Innenstadt, mehr erfahren.

Hier werden die Brücken noch per Hand bedient

Beschauliche Passage durch Schiedam, hier der "Lange Hafen§

Die Anfahrt

Von Delft über die Delftse Schie kommend erreicht man Schiedam und gelangt hinter der Buitensluis anschließend in die Nieuwe Maas. Die Passage mit dem Schiff verläuft dabei in ungefähr in Nord - Süd Richtung. Die Durchfahrtshöhe durch die Stadt ist allerdings auf 2,90m beschränkt.

Schiffe mit größerer Durchfahrhöhe erreichen die Nieuwe Maas über die Delfthavense Schie bis zur Parkersluis in Rotterdam. Diese Durchfahrt ist für die Berufsschifffahrt und größere Yachten, nicht aber als "Stehender Mast- Route" ausgelegt. Das Stadtzentrum von Schiedam erreichen diese Schiffe dann von Süd kommend über die Buitensluis.
Mit gelegtem Geräteträger kommt unsere "Lady Ann" auf 2,85 m, also ausreichend für die Stadtpassage.

An der Gemeindegrenze vor der ersten beweglichen Brücke muss per Funk (VHF 22) oder Telefon (010-6315300) Kontakt mit dem Havendienst Schiedam aufgenommen werden. Es sei denn, das Brückenpersonal ist zufällig dort anwesend. Jedenfalls wird von dort die Durchfahrt über die kanalisierte Schie durch das Stadtzentrum organisiert. Das Personal spricht ganz ordentlich deutsch und ist ausgesprochen freundlich. Aber auch sonst wird die Passage durch das Stadtzentrum in aller Regel völlig streßfrei und in gemütlicher Fahrt ablaufen. Gemütlich daher, da man bei der Passage von zwei Brückenwärtern begleitet wird, die die Brücken teilweise noch per Muskelkraft bedienen.

 

Übernachtungsmöglichkeiten und Besuchertipps

Wenn es die Zeit irgendwie zulässt, lohnt es sich sicherlich, ein oder zwei Tage in der Stadt zu bleiben. Schiedam verfügt über eine ganze Reihe von Anlege- und Übernachtungsmöglichkeiten. Die Kade längs der Innenstadt ist dabei aber ausschließlich historischen Schiffen vorbehalten.  Für alle anderen Schiffe gibt es im Stadtgebiet genügend Liegemöglichkeiten.

Einige Vereinshäfen, die sogar sehr kostengünstig sind oder z.B der neue von der Gemeinde betreute Anleger am Doelenplein, direkt am Fuße der Windmühle "De Kameel". Der Anlegesteg ist durch einen Zaun nach außen gesichert und verfügt über Strom, Wasser und Sanitäranlagen. Bezahlen kann man per Maestro- oder Chipcart. Der Aufenthalt ist für Schiedamer Verhältnisse allerdings nicht der preiswerteste. Gegenüber von diesem Liegeplatz gibt es noch für 3 bis 4 Schiffe eine ungesicherte Anlegemöglichkeit, ohne Wasser, Elektrizität und sanitäre Anlagen, dafür aber kostenlos. Dem einen oder anderen mag dieser Platz vielleicht etwas unheimlich anmuten. Wir haben früher aber immer dort angelegt, ohne dass uns irgendwann etwas passiert ist. Beide Plätze liegen am nördl. Rand der Innenstadt und des Marktplatzes (ca. 3 Min. zu Fuß).

In den letzten Jahren bevorzugen wir allerdings den Nieuwe Haven am südl. Rand der Innenstadt. Er liegt in einer Seitengracht, direkt, vom Süden kommend, hinter der Flaschenabfüllung der Nolet Destillerie von Ketel 1. Wir haben dort alle Annehmlichkeiten eines gepflegten Vereinshafens, dazu ruhig gelegen und doch Zentral. Vor allem jedoch, man kennt uns dort und zeigt uns, dass wir jederzeit herzlich willkommen sind.
Mehr Infos zum Nieuwe Hafen: siehe hier ...

Liegeplatz am Doelenplein, links der freie, rechts der neuer Anleger

Einkaufsmöglichkeiten sind in Schiedam ausreichend vorhanden. Neben zwei Einkaufscentren, eins am alten Markt und das wesentlich größere am Koemarkt und Discounter, Geschäfte bzw. Boutiqen bieten alles, was benötigt wird. Freitag gibt es einen großen Wochenmarkt (Innenstadt und Oude Markt). Wem das nicht reicht, der kann einfach und bequem mit der Tram nach Rotterdam fahren. Auch die Gastronomie bietet alles, was das Herz begehrt.

Kulturell und historisch gibt es eine Vielzahl an Museen, Galerien und Bauwerke. Sehenswert ist sicher das "Jenevermuseum", das Windmühlenmuseum "Museummolen De Nieuwe Palmboom", das "Stedelijke Museum", das "Nationaal Coöperatie Museum" und sogar ein Schokoladenmuseum.

Bei einer Grachtenfahrt mit dem offenen Besucherschiff wird den Besuchern, auf Wunsch auch in deutscher Sprache, die sehr interessante Historie auf sehr charmanter Weise nahe gebracht. Einfach mitmachen, es lohnt sich.

Darüber hinaus gibt es einige Stadtfeste und Events die immer gut an zu schauen sind. Wir haben bei dieser Gelegenheit bereits Liveauftritte von so bekannte Bands wie The Vengaboys oder Hermens Houseband gesehen.

Auch das große Brandwehrfest mit Lampionfahrt, Livemusik und vieles mehr, gehört sicherlich zu den absoluten Highlights von Schiedam.

Ganz Maritim geht es bei "Scyedam Vaert" im Zuge des "Maasboulevardfeest", zu. Mit ca. 200 historische Schiffen aus den Sparten Fracht, Fischerei und Schlepper absolut sehenswert.

Eigentlich ist aber im Sommer fast jedes Wochenende irgend etwas los .....

Während der Scyedam Vaert mit Blick auf eine der typisch Schiedamse Windmolen

Mit dem Besucherboot durch Schiedam

Lampionfahrt zum Brandweerfeest

Verlässt man Schiedam durch die Buitenschleuse in Richtung Nieuwe Maas (auch Nieuwe Waterweg genannt) erstreckt sich vor einem der Port of Rotterdam, dwe Rotterdamer Seehafen. Mit etwas Glück kann man dort schon mal einen Ozeanriesen bewundern oder wie wir vor einigen Jahren die "Queen Elizabeth II".

Mächtig Betrieb ist aber eigentlich immer dort und wem das nicht reicht, kann auch die mächtige Skyline von Rotterdam bewundern.

Nur Achtung !!!
Die Fahrt ist bisweilen etwas ruppig und man tut gut daran, sich möglichst weit Steuerbord zu halten.
Darüber hinaus kann ich nur empfehlen, bei der Fahrt über die tidenabhängige Nieuwe Maas den Gezeitenkalender zu Rate zu ziehen, denn mit der kräftigen Strömung von Achtern fährt es sich wesentlich ökologischer.

 
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